Zu Besuch bei meiner Familie in Polen

Letztes Wochenende bin ich mit Anna nach Polen gefahren, um meine Familie zu besuchen. Der letzte Besuch ist schon knapp ein Jahr her. Leider war der Anlass nicht sehr schön, denn wir sind zur Beerdigung meiner Oma gefahren. Sie ist 90 geworden, somit konnten wir uns mit ihrem Tod abfinden. Denn es ist ein großes Geschenk, wenn man solch ein stolzes Alter erreichen darf. 

Meine Oma war eine sehr liebevolle Frau, die „sage und schweige“ acht Kinder zur Welt gebracht hat. Auf den Dörfern war es damals üblich, viele Kinder zu haben. Ich find´s ja klasse, so eine Großfamilie. Meine Tanten und Onkels haben fast alle geheiratet, somit hab ich noch mehr Tanten und Onkels dazu gewonnen und jede Menge Cousinen und Cousins. Es ist schön, wenn die Familie an den Feiertagen zusammen kommt, jede Menge Essen auf dem Tisch steht und man sich viel zu erzählen hat. 

Das Dorf, in dem meine Oma lebte, ist eher ein „Dörfchen“, denn hier stehen nur 22 Häuser. Die meisten Kinder der Anwohner sind in die Stadt gezogen, um Arbeit zu finden. Die nächste Einkaufsmöglichkeit befindet sich im nächsten Dorf und außer einem kleinen Spielplatz, gibt es hier keine weitere Attraktion. Nun bewirtschaftet meine Tante das Haus, den auch mein Opa ist schon (vor etlichen Jahren) verstorben. Ich komme gerne hier her, den hier werden meine Kindheitserinnerungen wach.

Als Kind habe ich fast jede Ferien mit meinen Großeltern bzw. auf dem kleinen Bauernhof verbracht. Sie hielten Hühner, Gänse, Schweine, Katzen und hatten einen Hund. Damals war das Dörfchen mehr belebt. Unsere Nachbarn hatten 13 Kinder (ja wirklich wahr!) und somit hatte ich immer jemanden zum Spielen. Wir haben uns Spiele ausgedacht und waren von morgens bis abends unterwegs, waren am See baden, sind zum nächsten Dorf mit dem Fahrrad gefahren, um uns ein Eis zu kaufen oder waren auf den riesigen Feldern picknicken. Ich erinnere mich nur zu gerne an die schöne Zeit. In der Stadt war mir oft langweilig. Aber hier bei meinen Großeltern konnte ich meiner Fantasie freien Lauf lassen, auf Bäume klettern, mit den Tieren spielen und Kind sein. 

Als Kind habe ich es geliebt, mit den Tieren zu spielen und mich auszutoben und heute ist es vor allem die Ruhe und Weite, die ich hier genieße. Hier gibt es so viel Platz. Das Grundstück meiner Oma ist riesig (im Gegensatz zur Grundstücken in der Stadt) und der nächste Nachbar guckt einem nicht in den Garten. Wenn ich hier ankomme, atme ich die frische Bauernluft ein, genieße die Ruhe und  bin innerhalb von paar Minuten entschleunigt. Auch deshalb, weil der Internetempfang eher mies bzw. nicht vorhanden ist und man praktisch gezwungen ist, sein Handy wegzulegen. Denn auch ich erwische mich, dass ich im Alltag viel zu oft auf das Ding schaue.  

Was ich noch genieße, wenn ich hier bin:

Ich liebe es morgens aufzustehen und einfach aus dem Haus zu laufen. Noch den Pyjama angezogen, setze ich mich auf die Terasse, genieße die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und höre dem Hahn zu, wie er den Morgen begrüßt. So einen herrlichen Morgen erlebt man nur auf dem Dorf. Zu Annas Lieblingsbeschäftigung zählte das Rauslaufen auf die Wiese, um ihre Schuhe bzw. Füße im Morgentau nass zu machen. 

La Familia: In Polen wird die Familie groß geschrieben. Meine ist von Natur aus groß und so hatte Anna immer jemanden zum Spielen. 

Klasse ist der Einfallsreichtum der Polen. Ist nicht gibt´s nicht! Und so wurde kurzerhand Sand herangetragen, durchgesiebt, eine Folie vom Dachboden geholt und Anna hatte ruckzuck ein „Standkasten“, in dem sie spielen konnte. In Polen sind die Menschen praktisch veranlagt, sie meckern und überlegen nicht lange, sondern packen an und machen einfach.

Wir haben Glück, dass das Meer nur 15 Kilometer entfernt ist. In der Hauptsaison ist es mir hier zu laut. Dann ist die Promenade rappelvoll, laute Musik schallt aus allen Ecken und vor allem junge Menschen kommen zum Feiern her. In der Nebensaison finde ich es wesentlich angenehmer, da weniger los ist. Was ich auf keinen Fall versäume, wenn ich hier bin, sind Swiderki (Eis) und Gofry (Waffeln mit Schlagsahne und Obst). Beides schmeckt super lecker und ist für mich ein Muss, wenn ich in Polen bin.

Piroggen schmecken mir in Polen am besten, deshalb genieße ich die traditionelle Küche um so mehr, wenn ich hier bin.

Meine Tante ist eine gute Köchin, vielleicht sind die frischen Zutaten ihr Geheimrezept. Sie baut Kartoffeln, Möhren, Salat, Zucchini, Rhabarber, Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Erdbeeren und anderes Obst und Gemüse an. Bevor sie das Mittagessen zubereitet, geht sie in den Garten und pflückt die Zutaten. Frischer gehts wohl kaum, und das schmeckt man auch. Hier schmeckt die Tomate noch richtig nach Tomate und riecht auch so, dass mir das Wasser im Munde zusammen läuft. Das Gefühl habe ich in Berlin nur sehr selten beim Einkaufen, deshalb genieße ich hier die „echten Lebensmittel“ mit allen Sinnen.

Zum Abschied sind wir zum Friedhof gefahren, um unsere Verstorbenen zu besuchen. In Polen gehört das einfach dazu. Nicht nur die „lebende“ Familie wird besucht, sondern auch die Toten, und das regelmäßig und oft. In Polen sind die Friedhöfe keine stillen Orte, an denen totale Ruhe herrscht. Hier treffen sich Menschen, unterhalten sich und oft trifft man spontan Nachbarn, Bekannte oder Verwandte. 

Ich wünsche dir einen guten Wochenstart!


Wie oft besuchst du deine Familie? Und was macht ihr dann am liebsten?

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